Viel Freude kommt nicht auf wenn es draußen nieselig-kalt ist, man noch einen Konzertbericht über das gestrige Konzert von Olli Schulz im zakk schreiben muss und man doch gestern um die Zeit gerade den Anfang des „Tanz den Bibo”-Videos und eine wunderbar lustige Show zu sehen bekam. Aber der Reihe nach. Um wen geht es denn hier überhaupt? Um den Hamburger Liedermacher (weil es so schön nach Deutschrock klingt) Olli Schulz, welcher zum zweiten Mal auf Lese-Tour quer durch die Republik braust um sein neues Album “Das kann unmöglich ich sein” und sein Buch “Rock’n'Roll verzeiht dir nichts” zu promoten. Gut ein ganzes Jahr ist es nun her, seit besagter Herr mit seinem im März 2009 erscheinenden Buch erstmals auf Lesetour ging. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass er auf der aktuellen Tour von der Band Home oft the lame begleitet wird. Home oft the lame ist eigentlich nur Felix Gebhard, nun aber in Begleitung einer Band. Guter deutscher Indierock mit englischen Texten, um die Schubladen zu öffnen. Das Düsseldorfer zakk war, wie es sich für eine Lesung gehört, mit Stühlen gefüllt, welche innerhalb von 15 Minuten nach Einlass auch restlos belegt waren. Erste Reihe, Platz genommen. Soviel zu den Vorinformationen.
Punkt 21 Uhr startete auch das Introvideo zum Song „Tanz den Bibo” – definitiv eine lustige Einleitung.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die später folgende Mitmachaktion des Publikums. Sobald das Video im Netz verfügbar ist, reiche ich es nach.
Natürlich konnte es sich Schulz nicht leisten, die gleichen Geschichten wie auf seiner letzten Tour zu erzählen. Es ist ja nicht so, dass er in seiner langen Karriere als Stagehand, Türsteher oder Aushilfe im Plattenladen nichts erlebt und zu erzählen hätte. Wie beim letzten Mal auch begleitete ihn sein persönlicher Lektor Rasmus Engler. Zusätzliche Unterstützung hin oder her, aber wer noch nicht einmal weiß, dass Heinrich Heine in Düsseldorf geboren wurde und fast nur nervige Kommentare abgibt, hat auf einer Bühne nichts verloren. Genug der Nörgelei und Klugscheißerei. Es folgte das erste Lied der Begleitband. Ganz in schwarz gekleidet, Rotwein-trinkend, spielten sie das Lied „The Radio”. Hallo Wohlgefallen!
/EDIT: Wie versprochen, hier das Video: Olli Schulz – Mach den Bibo. Mit diesem Lied tritt der Olli dieses Jahr auch beim Bundesvision Song Contest an.
Nun zur eigentlichen Lesung. Fast so wie es sich für eine Rezension gehört, darf der geneigte Leser oder Konzertbesucher in spe sich nun entscheiden, ob er die Geschichten aus seinem Buch hören will oder nicht.
Deshalb: Achtung Spoiler!
Es war einmal das Jahr 1996, als der damals 22-jährige schmächtige Olli Schulz als Türsteher in Hamburg arbeitete. Er arbeitete zusätzlich noch in einem Plattenladen, brach sein Studium ab und hatte bestimmt keine rosige Zukunft vor sich. Aber er war lustig. Und gehörte zu den „Spezialisten aus Hamburg”, einer fragwürdigen, aber gefragten Security-Firma. Als er eines Tages von seinem geschätzten Kollegen Ulasch von einem Allmachtspray hörte, welches die dicksten Typen mit einem Male glatt umhauen sollte, zögerte er nicht lange und besorgte sich für 50 D-Mark solch ein Wunderdöschen. Aufgrund seines nun immens gestiegenen Selbstvertrauens suchte er fast händeringend nach Stress. Den sollte oder wollte er auf einem Kieler Nachwuchsband-Festival finden. Nicht nur, dass ihn da schlechter Rocknachwuchs erwarten sollte, nein. Auch ein ihm bis dato unbekannter Edo Zanki sollte als Gast- oder auch Special-Juror auftreten. Edo Zanki? Wer um Ollis Willen ist das denn? Informationen hier.
Es folgte eine ausführliche Beschreibung des erlebten Abends: Er sollte auf den Backstage-Eingang aufpassen, als ein schmächtiger Typ an der Tür klopfte und um Einlass bat. Wer das nun war, kann sich jeder denken. Jedoch verscheuchte Olli ihn um ihn dann klammheimlich und entschuldigend später wieder hinein zu bitten. Genug der Details. Das KO-Spray fand am besagten Abend leider noch nicht seinen Einsatz. Erst ein paar Wochen später, als er, nach Stress suchend und zu aller Gewalt bereit (…),
an einen Muskelprotz im Klempnerauto geriet. Wie fast zu erwarten war, zeigte das Spray natürlich keine Wirkung, abgesehen von der wohl lustig anzuschauenden Reaktion des Gegners, der sich das harmlose Zeug aus den Augen zu wischen versuchte. Zum Glück konnte sich Olli noch einmal retten, jedoch ohne zu wissen, dass er ein paar Wochen später erneut auf den Muskelprotz treffen sollte. An einer Zapfzäule, romantischer stellt man sich solch ein Wiedersehen nicht vor. Doch wieder Erwarten verdrosch der Anabolikamann ihn nicht, aber nur weil Olli ihn wieder ehrlich und offen von seinem schier aussichtslosen Leben als angehender Musiker berichtete. „Fang mal mit Sport an” sprach der Typ, es ertönte tosender Beifall und Gelächter und somit war der erste Teil des Abends beendet.
Spoiler Ende!
Schlecht nacherzählt von mir, aber dafür umso besser vorgetragen von Olli. Mit Wortwitz, Charme und Improvisationstalent bewies er für mich erneut, dass er fast mehr als Entertainer denn als Musiker taugt, mit Verlaub.
Nach einer Umbaupause von 15 Minuten Länge traten erneut die Band und nun auch Olli Schulz mitsamt seiner Akustikgitarre auf die Bühne.
Geschätzte 200-300 Besucher des zakk bekamen nun eine “Live-Premiere” seines neuen Albums, dessen Name ich vergessen habe, zu Ohren. Teils bekannte Melodien und sich wiederholende Stimmungen trübten anfangs mein Gemüt. Dieser Argwohn konnte aber durch Kracher wie „Saunaaufguss in Lankwitz” oder den baldigen Discofeger „Mach den Bibo” beseitigt werden. Mach den Bibo – ein neuer Kulttanz? Wer weiß, wer weiß.
Kurz vor 24 Uhr war dann auch mit diesem Teil Schluss. Das Konzept scheint aufzugehen – eine Stunde vorlesen, anderthalb Stunden spielen. Und alle lauschen gespannt und lachen. Passend zum Abend war auch die Begleitband: unaufdringlich und sympathisch. Eine Sache fehlte leider zum perfekten Abend. Ein Stück Obst, Herr Schulz! (Obwohl ich mir solch eine betrügerische Aktion schon gedacht habe…) Eins Minus, Setzen.
Die Fotos sind leider nicht die besten geworden, vielleicht bringt der Weihnachtsmann ja eine neue Kamera.
Trackliste:
- The Radio (hotl)
- Maria (hotl)
- Rub your Eyes (hotl)
- Engine Nightshift (hotl)
- Ewig leben
- Die Guten, die bluten, weil die schlechten sie knechten und der Rest stirbt langsam aus
- Isabell
- Wie sie
- Saunaaufguss in Lankwitz
- Song ohne Grund
- Mach den Bibo
- Geheimdienst
- Dann schlägt dein Herz
- Du bist solange einsam bis du lernst allein zu sein
- Rumäne
- Herzlos
- Elefanten
- Die Leute denken wir sind betrunken, dabei sind wir bloß Freunde
- Nimm mein Mixtape, Babe
- Wenn die Sonne wieder scheint
Links:
Olli Schulz
Home of the lame





