Die Zeit für große Ausreden ist vorbei, von daher wird dieser Teil nur kurz angesprochen. Wenig Zeit und wenig Lust zum Schreiben und allgemein auf Konzerte führten dazu, dass sich hier kaum etwas tat. Ich gelobe Besserung.
Fangen wir doch direkt mit einem des besten, subjektiv geschätzten, Konzerts dieses Jahres an. Fall of Efrafa im Autonomen Zentrum Aachen. Die Geschichte um diese Band aus Brighton, England, ist gar nicht so schnell erzählt. Diese Band, um nicht zu sagen „Konzept-Band“, spielt einen großartigen, einzigartigen Mix aus Post-Hardcore, Crust, Sludge und Metal. Perfekte Einschlafmusik also. Warum Konzept-Band? Die drei Alben der Band orientieren sich inhaltlich an dem Roman „Unten am Fluss“ (Watership Down) von Richard Adams, in dem Efrafa ein faschistischer Staat in der Hand eines Diktators ist. Dabei ist Efrafa die Herrschaft der Menschheit über den Planeten und Owlsa (der Name ihres Debutalbums) die Natur. Ihre eigene Interpretation der Geschichte wird in der Trilogie ihrer Alben erzählt, auch bekannt unter dem Namen „The Warren of Snares“: Owsla – der Beschützer, Elil – der Feind und schließlich Inlé – der Tod. So war das Ende der Band in seiner Konsequenz vorbestimmt. Nachdem sie ihr letztes Album auf Denovali herausgebracht haben, begeben sie sich auf ihre letzte Tour und trennen sich danach. An diesem Abend machten sie Halt in Aachen.
Hatte ich die Lokation noch etwas kleiner beim Amanda Rogers Konzert in Erinnerung, so fand das Konzert in einem neu ausgebauten, viel größerem Raum statt. An diesem Abend standen insgesamt vier Bands auf dem Programm. Die erste Band, decleyre, spielten in einem ungewohnten Line-Up. Ein Schlagzeuger, ein Gitarrist, ein Frontmann und eine Frontfrau. Heraus kamen ziemlich chaotische, wütende Hardcore-Stücke mit wechselndem Gesang/Geschrei auf Englisch und Deutsch. Beindruckend im ersten Moment, im zweiten ziemlich begeisternd. Hinzu kam, dass der Soundmann wohl ziemlich schlechte Ohren haben musste, weil die Anlage fast bis auf Anschlag aufgerissen war und es von der Lautstärke her fast nicht auszuhalten war. Da nützte auch der beste Gehörschutz nichts.
Die zweite Band, finisterre aus Köln, bewegte sich eher im Crust-Punk-Bereich. Ebenfalls mit Frau am Mikrofon, waren nicht nur die Stücke, sondern auch die Stimme der Sängerin etwas düsterer und schleppender. Leider nicht ganz so mein Fall.
Dritte Vorband waren Morne aus den USA, aktuelle Tourbegleitung von Fall of Efrafa. Sehr, sehr düsterer Sound, mit Sludge-, Metal- und Hardcoreanschlag. Sehr atmosphärisch und schon sehr gut einstimmend auf die Hauptband. Da kam schon eine ordentliche Ladung Wut wuchtig aus den Boxen, gekoppelt mit wabernden Parts, nur um dann in einem finsteren Donner wieder zu explodieren. Selten bekam ich fast Angst ob der Musik.
Kurz vor um 24 Uhr betraten dann Fall of Efrafa die Bühne. Normalerweise spielen sie nur das jeweilige Album auf einem Konzert, was bei „Inlé“ mit einer der Spieldauer von 79 Minuten gut für einen kompletten Auftritt gereicht hätte. Die ersten vier Lieder waren auch von besagter Platte, unfassbar ergreifend gespielt und dargeboten von den fünf Engländern. So beeindruckend hat seit langem keine Band mehr gespielt. Bis in die kleinsten Kapillaren dringt ihr Mix aus Post-Hardcore, Post-Metal und Sludge hinein und hindurch. Schon in den ersten, noch ruhigen Minuten verstimmten die letzten Gespräche und dem Publikum blieb nichts weiter übrig, als fast erschlagen zu werden von den wuchtigen Ausbrüchen der Band. Sänger Alex arbeitet neben der Band als Künstler und Illustrator, und sieht man seine Arbeiten, so kann man die Dunkelheit und die Gedanken in seinem Kopf erahnen. Diesen Gefühlen lässt er auf der Bühne freien Lauf. Augen zu, Hölle und durch. Nach circa einer Stunde voller Ekstase und darauf folgendem, nicht endend-wollendem Applaus, kam die Band für weitere zwei Stücke auf die Bühne. Zum Glück, denn normalerweise spielt die Band keine Zugaben. Das erste Stück, „The Fall Of Efrafa“ war schon genial, „No longer human“, ein Monstrum von 20 Minuten Länge, ein Stück Ewigkeit. Danke für eins der besten Konzerte des Jahres!
Setlist:
- Simulacrum
- Republic Of Heaven
- Woundwort
- The Sky Suspended
- The Warren Of Snares
- Last But Not Least
- The Fall Of Efrafa
- No Longer Human
Letzte Möglichkeit, Fall of Efrafa in Deutschland zu sehen, ist das Denovali Swingfest in Essen am 21. November – ein Muss für jeden Fan dieser Musik. Noch gibt es Karten, also hin!
