Die Online-Zugabe

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Scraps of Tape w/ Balmorhea, Café Steinbruch, Duisburg, 17.4.2009

April 19th, 2009 · No Comments · Konzerte Twittern!

Großartig! Da fällt es mir im Nachhinein schwer zu entscheiden, wer denn an diesem Abend die meisten Sympathiepunkte gesammelt hat. Balmorhea aus Texas – sechs verträumte Gesellen mit allerlei Instrumenten, Charme und Melodie. Oder Scraps of Tape aus Schweden – fünf nette Herren mit Wucht, Tempo und Ideen. Aber fange ich von vorn an.

Balmorhea? Ein unausprechlicher Name vielleicht, mit ein wenig Übung aber möglich1. Ich hatte sie erst vor ein paar Monaten entdeckt, machen doch die beiden Freunde Michael Müller und Rob Lowe2 schon seit 2007 Musik. Das Jahr 2009 sollte dann auch das Jahr ihrer ersten Tour durch Europa sein. Endlich! Zum neuen Album “All is wild, all is silent” holten sie sich noch Verstärkung in Personen von Travis Chapman am Kontrabass, Aisha Burns an der Violine, Bruce Blay am Schlagzeug und Nicole Kern am Chello hinzu. Draußen vor der Terasse fielen noch die letzten Regentropfen herunter als die Band anfing zu spielen. Wettervergleiche sind zwar grenzwertig, aber hier passen sie mal wieder. Frühling, Wärme, ab und zu noch Regen und diese Musik hören. Passt irgendwie gut zusammen.

Bild Setlist Balmorhea

Setlist Balmorhea

Die sanften Stimmen von Michael Müller und Rob Lowe, ihr Spiel mit dem Banjo, den Gitarren, dem Keyboard, der Melodica. Ach, einfach alles versprüht soviel Wärme, dass es einen fast zerreist beim Zuschauen- und hören. Sie sahen zwar mit ihren Holzfällerhemden typisch aus, heraus kam aber etwas ganz wunderbares.

Die Lieder kamen fast alle vom neuen Album “All is wild, all is silent”. Bis auf das Intro “San Solomon” und die Zugabe “En route”. Zugabe? Ja, richtig gelesen. Sie durften, nein mussten eine Zugabe spielen. Ertappte man sich noch beim Klatschen nach dem großartig vorgetragenen “Truth”, bei dem alle Künstler im Chor zum Schluss sangen, so spielten sie noch ein letztes Lied. Selten habe ich erlebt, dass eine Vorband noch eine Zugabe gibt, das musste aber heute sein!

Hier noch einmal die Setlist von Balmorhea im Café Steinbruch:

  • San Solomon
  • Coahuila
  • Settler
  • Remembrance
  • Harm & Boon
  • Truth
  • En Route (Zugabe)

Nun also zu Scraps of Tape. Das sind: Johan Gustavsson, Jerker Kaj, Kenneth Jansson, Marcus Nilsson und Mikael Persson. Ich weiß noch, damals… Am 5.6.2005 in Dresden in der Scheune. Audrey spielten da. Und ganz zum Schluss schwärmten sie nur von dieser Band. Man solle sie sich unbedingt anhören. Nur damals fand ich bis auf ein paar einzelne Stücke nichts weiter von ihnen, sie blieben aber im Gedächtnis. Ein paar Jahre spielten eben diese beiden Bands zusammen im Blue Shell in Köln. Ich war begeistert. Halb gelogen, denn damals waren Audrey wundervoll und Scraps of Tape etwas zu laut und wirr. Aber das änderte sich, spätestens seit letzter Woche. Denn Scraps of Tape spielten auf dem kleinen, feinen Indiefestival Endpilot in Erfurt und hauten mich einfach nur um. Nebelwände, Spielfreude, die Stimme von Johan Gustavsson – alles großartig!  Am Freitag sah ich sie also zum dritten Mal und ich war nicht weniger entzückt.

Scraps of Tape - Foto von Ola Lindgren

Scraps of Tape - Foto von Ola Lindgren

“Lebendiger Postrock” wenn ich ihre Musik so betiteln darf. Hier groovt es, hier ist Tempo drin. Wuchtig, direkt und treibend. Neuerdings auch vermehrt mit Gesang, was nur positiv anzumerken ist. Warum nicht viel eher, hat doch Johan Gustavsson eine bewegende Stimme. Ob fast schreiend beim Opener “Bring the heavy” des neuen Albums “Grand Letdown”3 oder gefühlvoll beim Carpet People Cover “Eric” – die Stimme überzeugt. Überhaupt, dieses Cover. Ein Wahnsinnslied.

So spielten sie ihr Set durch, viele neue Sachen, aber auch ein paar Stücke von ihren alten Alben “Read Between The Line All Times” und “This is a copy Is this a copy” – eine genaue Setlist bekomme ich leider nicht zusammen. Dabei wechselten sich Sänger und Schlagzeuger derweilen an den Instrumenten ab, das hatte mir damals schon gefallen. Sehr cool! So drehte sich die Windmühle im Nacken der Band und diese spielte Songs, die keine 10 Minuten Einheitspostrockbrei sind, sondern direkt auf den Punkt kommen.
Ohne viel Tamtam, so sollte es sein. Danke für dieses geniale Konzert!

Links:

Balmorhea at Myspace
Scraps of Tape at Myspace

  1. sprich: Bal-moor-ay []
  2. Texas? Deutsche Vorfahren? []
  3. limitiertes Vinyl, vorbestellen! []

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