Ein wenig spät, aber egal. Heute mal wieder einen Gastbeitrag von Peer. Vielen Dank!
Ich saß bereits in der Bahn nach Köln, als mir auffiel, wie unvorbereitet ich auf das Konzert war. „Escapado“ und „Minus the Bear“ – zwei Bands, die mir durchaus was sagten, aber mehr eben auch nicht. Von „Escapado“ hatte ich schon den einen oder anderen Song unbewusst gehört, aber eigentlich kannte ich sie nur vom Namen und hören-sagen her. „Minus the Bear“ waren mir da eher ein Begriff. Von denen kannte ich wenigstens ihr Debüt-Album „Highly Refined Pirates“, was so viel heißt, wie dass es irgendwo in meinen Playlists herumgeistert. Der Abend fing also schon recht spannend an …
In der Werkstatt in Köln-Ehrenfeld angekommen musste ich nicht mehr lange auf einen ersten Eindruck warten. Nachdem ich meine Leute und den Weg zum ersten Bier gefunden hatte, ging’s los. „Escapado“ eröffneten den Abend, und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich allen Anderen gegenüber im Vorteil war. Ich konnte, uneingeschränkt von jeglichem Vorwissen, die Musik auf mich wirken lassen und mir einen völlig losgelösten Eindruck machen. Und dieser war mal nicht der schlechteste. Drückende Drum-Parts gepaart mit melodischen Gitarren-Licks und -Riffs. Alles im Stil der alten „Boysetsfire“-Werke aus den „The Day the Sun Went Out“-Zeiten. Das war zumindest mein erstes Urteil. Aber für mich macht letzten Endes der Gesang die Musik. Der war in erster Linie deutsch, in zweiter überzeugend. Es gibt in meinen Augen nur wenig deutsch singende Bands aus dem Indie-/Hardcore-Bereich bei denen der Gesang passt, bei denen die Vocals nicht klingen, wie ein alter Flickenteppich aussieht: unecht, aufgesetzt, in die falsche Form gezwängt – kurz, die mir gefallen. Seit diesem Abend und „Coldblackdeathbloodmurderhatemachine“ gibt es eine Band mehr.

Nach „Escapado“ ließen „Minus the Bear“ nicht lange auf sich warten und versetzen mich direkt in höchste Euphorie, oder besser, in eine andere Sphäre. Die fünf Jungs müssen ’ne Zweitkarriere als Architekten haben, denn sie errichteten riesige Klangwände um uns herum, gespickt mit komplexer Fingerfertigkeit an der Gitarre, aurahaften Synthie-Parts und endlosschleifenartigen Hooklines. Unauslöschbar ins Trommelfell eingebrannte Songs mit Ohrwurmcharakter, ohne dabei voraussehbar zu sein oder langweilig zu werden. „Knights“, „Pachuca Sunrise”, „Throwin’ Shapes“, „White Mystery“ – jeder Song ein Hit, und an diesem Abend so authentisch vorgetragen, dass sie selbst einen mitgerissen haben, der sie vorher nicht kannte. Die einzige Frage die aufkommt ist: Wo würde man „Minus the Bear einsortieren, wenn man es müsste? Die Antwort: Man muss es nicht, man soll es nicht, man kann es nicht! Ein dickes Plus für „Minus the Bear“!
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Links:
Escapado Homepage
Minus the Bear Homepage

bei diesem konzert mit den riesigen Klangwänden wäre ich gerne dabei gewesen =)
das konzert wurde ja bei Rockpalast übertagen…hat es vielleicht jemans aufgenommen?
Mit dem ganzen Konzert kann ich dir leider nicht dienen. Den Escapadoteil gibt es bei youtube.
Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=Kn0DNbOXXyE
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=h9vU5r6vQ9Y